Praktische Philosophie / Politische Philosophie

Mit Fragen und Problemen der Moral und der politischen Philosophie in der französischen, englischen und deutschen Aufklärung habe ich mich auch vor kurzem intensiv beschäftigt. In diesem Sinne sind Aufsätze von mir über Voltaire, Diderot, Rousseau und Kant erschienen.

Ich arbeite jetzt an einem Vortrag/Aufsatz zum Thema: Aufklärung durch Urteilskraft. Kants Auffassung der bestimmenden / reflektierenden / praktischen Urteilskraft in drei Modellen der Modalität dargestellt.

Ganz im Allgemeinen ist laut Kant die Urteilskraft (lat. iudicium) das Vermögen, das Besondere als unter dem Allgemeinen enthalten zu denken (vgl. 5:179). Zu unterscheiden seien diesbezüglich drei Grundformen derselben: eine bestimmende, eine reflektierende und eine praktische Urteilskraft. Die bestimmende Urteilskraft hat zu entscheiden, „ob etwas unter einer gegebenen Regel [...] stehe, oder nicht“ (KrV A 132/B 171). Die reflektierende Urteilskraft gibt sich im Unterschied zur bestimmenden Urteilskraft das Prinzip ihrer Reflexion selbst bzw. autonom (vgl. 5:385) und hat die Aufgabe, „von dem Besondern in der Natur zum Allgemeinen aufzusteigen“ (5:180; vgl. 20:211-216). Im praktischen Kontext soll die reine praktische Urteilskraft die Anwendung des erfahrungsunabhängigen Sittengesetzes auf empirische Handlungen ermöglichen (vgl. 5:67-71). Die Aufgabe der praktischen Urteilskraft liegt dementsprechend in der Unterscheidung, ob eine „in der Sinnlichkeit mögliche Handlung“ ein Fall der praktischen Regel ist oder nicht, und damit in der Anwendung der allgemeinen Regel auf konkrete raum-zeitliche, empirische Handlungen (5:67).

In allen drei Formen der Urteilskraft geht es um die Definition der Objektivität selbst: zunächst im strikt theoretischen, dann im ästhetisch/empirischen und schließlich im praktischen Sinne. In diesem Vortrag soll gezeigt werden, dass diese drei Formen der Urteilskraft am besten mit Hilfe von drei separaten Modellen der Modalität in der unterschiedlichen Kombinierung also der Begriffe der „Möglichkeit“, „Wirklichkeit“, „Notwendigkeit“, „Zufälligkeit“ usw. dargelegt werden können.

Die bestimmende Urteilskraft definiert den Übergang von der Zufälligkeit in die Notwendigkeit (nach dem dritten Postulat des empirischen Denkens) durch die Subsumierung der Wirklichkeit (zweites Postulat) unter die Möglichkeit (erstes Postulat). Die reflektierende Urteilskraft, welche grundsätzlich und fundamental keine Möglichkeit kennt, basiert auf der Vorstellung der exemplarischen Notwendigkeit der ästhetischen Urteile, welche laut § 18 der Kritik der Urteilskraft  nichts Anderes ist als der Begriff der Notwendigkeit des Beispiels nach „einer allgemeinen Regel, die man nicht angeben kann“ (KU, C 62–63). Im Fall der praktischen Urteilskraft spielt die absolute Notwendigkeit des praktischen Gesetzes eine fundamentale Rolle. Nichtsdestotrotz braucht diese Form der Urteilskraft die Gesetzlichkeit der Natur selbst als Vorbild bzw. als „Typus des Sittengesetzes“ (5:69).